Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit ist in Deutschland ein Massenphänomen
Am 13. November veröffentlichte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen ihre Studie zu Medikamentenmissbrauch- und -abhängigkeit. Das Ergebnis sollte alarmieren und es dürfte die meisten überraschen. Denn denken wir beim Thema Suchtmittelabhägingkeit zunächst an Alkohol und illegale Drogen - und bei weiterem Nachdenken auch an Nikotin und Zigaretten - , kommt so schnell niemand auf die Abhängigkeit von verschreibungspflichtigen Medikamenten.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es geschätzte 1,4 bis 1,9 Mio. Medikamentenabhängige in Deutschland gibt. Laut drugcom.de steht demgegenüber die Zahl von etwa 140.000 abhängigen Cannabis-Konsumenten. Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Die größte Gruppe der Betroffenen, über 1 Million Menschen, ist abhängig von Schlaf- und Beruhigungsmitteln aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine. Als bekannte Beispiele dieser Mittel seien hier Valium, Tavor und Lexotanil genannt.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, erklärt dazu:
„Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit ist in Deutschland ein Massenphänomen. Es muss mehr getan werden, um die Betroffenen zu erreichen und ein öffentliches Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. [...] Damit erreicht die Medikamentenabhängigkeit in Deutschland ein vergleichbares Ausmaß wie die Alkoholabhängigkeit. In der breiten Öffentlichkeit wird diese Krankheit jedoch nur wenig wahrgenommen.“
Besonders Frauen - und hier wiederum die älteren - seien von Medikamentensucht betroffen. Viele Frauen benutzen Schlaf- und Beruhigungsmittel, um die alltäglichen Belastungen in Familie, Partnerschaft und Beruf besser bewältigen zu können. Dabei gelingt es ihnen oftmals über lange Zeit, ihre Krankheit verborgen zu halten und im Alltag den Schein der Normalität aufrecht zu erhalten.
Quellen:
Pressemitteilung des Bundesministerium für Gesundheit
Studie der DHS
drugcom.de


